Kategorie: presse

  • Bitte um Hilfe  “Es wird langsam eng“ – Tiertafel sucht verzweifelt ein Futterlager 

    Bitte um Hilfe “Es wird langsam eng“ – Tiertafel sucht verzweifelt ein Futterlager

    Quelle: Stuttgarten Nachrichten 27.10.2025: Oliver von Schaewen  

    Suchen für die Tiertafel ein neues Futterlager (von links): Erika Gemmrig, Sven Scheuermann, Annette Schäfer und Bettina Reichel. Foto: Werner Kuhnle 

    Zwei Jahre lang hält die Tiertafel im Kreis Ludwigsburg schon Ausschau nach einem Futterlager. Gesucht wird ein Mensch mit Herz und 70 Quadratmetern Platz. 

    Bettina Reichel liebt Tiere– und engagiert sich für sie als Vorsitzende der Tiertafel Ludwigsburg-Heilbronn. Der Verein unterhält ein Futterlager auf dem ehemaligen Werzalit-Gelände in Oberstenfeld– muss dieses aber räumen. „Es wird langsam eng“, sagt die Vereinschefin. Die Kündigung auf dem geplanten Wohngebiet Bottwarwiesen sei nur noch eine Frage der Zeit. 

    Schon seit zwei Jahren bemühen sich Bettina Reichel und ihr Mann Sven Scheuermann um ein neues Lager. Ein erster Aufruf in der Presse verpuffte. „Es gab leider keine Reaktionen. Ich halte im Auto schon immer Ausschau – aber es hat sich nichts ergeben“, sagt die Vereinsvorsitzende. Natürlich werte sie auch Angebote in Immobilienportalen aus. „Der Verein kann sich aber keine 2000 Euro Miete leisten.“

    Das ehemalige Werzalit-Areal wird über kurz oder lang geräumt werden müssen. Foto: Archiv (avanti/Ralf Poller) 

    Gesucht wird folglich ein Mensch mit Herz, der irgendwo in einer seiner Hallen 70 Quadratmeter Platz hat und sich vorstellen kann, den mit der Tiertafel zu teilen. „Es wäre kein ständiges Ein- und Ausgehen, nur manchmal räumen Helfer Futterspenden ein“, erklärt Bettina Reichel. Das Zusammenstellen der Ausgabelieferungen dauere nur jeweils einen halben Tag. „Und das nur dreimal im Monat“, sagt Bettina Reichel. Es würde verladen und losgefahren – es gäbe keinen Kundenverkehr. 

    Versorgt werden 55 Katzen, 30 Hunde, drei Vögel und drei Hasen 

    Aktuell stapeln sich die Futterdosen in der Halle auf Regalen – die Tiertafel versorgt etwa 90 Tiere von etwa 60 Haltern, die das Futter nicht mehr selbst bezahlen können. „Wir geben alle vier Wochen rund 260 Kilo Katzenfutter und 140 Kilo Hundefutter heraus“, erzählt Bettina Reichel. Versorgt würden 55 Katzen, 30 Hunde, drei Vögel und drei Häschen. 

    Etwa die Hälfte der rund 50 Mitglieder packe mit an, um die Tierhalter zu beliefern. Im Lager in Oberstenfeld werden die Portionen vorsortiert und zur Ausgabestelle in Heilbronn und Ludwigsburg gefahren. Dort holen es die Tierhalter entweder ab oder sie werden von dort aus persönlich versorgt, wenn sie nicht mehr mobil sind. 

    Ansprüche an die Halle hat der Verein nur wenige. „Sie sollte ebenerdig anfahrbar sein“, erklärt Sven Scheuermann, der eine einfache Garage wegen der niedrigen Höhe ausschließt. Kämen kommunale Räume, beispielsweise in einem Bauhof, infrage? „Das wäre okay“, sagt Scheuermann. Bettina Reichel würde sich über eine Heizung freuen: „Das Verladen im Winter ist manchmal schon hart.“ Manchmal helfe man sich mit Punsch und Glühwein über die Runden. 

    Das neue Lager sollte irgendwo zwischen Beilstein und Tamm liegen 

    Die Lage der Halle in Oberstenfeld an der Schnittstelle der beiden Landkreise Ludwigsburg und Heilbronn war bisher für den Verein ideal. „Die meisten Mitglieder leben im Bottwartal – der Vereinssitz ist in Steinheim“, berichtet die Vorsitzende, die selbst in Höpfigheim wohnt. „Eine Räumlichkeit irgendwo zwischen Beilstein und Tamm wäre gut.“ 

    Die Lagerfläche ist aber nicht der einzige Punkt, der den Tiertafel-Vorstand beschäftigt. Während für die Auslieferungen immer genügend Freiwillige zur Verfügung stehen, fehlt dem Verein jemand, der sich dem Online-Auftritt widmet und ihn weiterentwickelt. 

    Zudem finanziert die Tiertafel mittlerweile auch Medikamente und ärztliche Behandlungen – ein teures Engagement. „Wir suchen immer wieder Paten für einzelne Tiere“, erzählt Bettina Reichel. Drei Hunde litten unter Herzkrankheiten, bei einer Katze stehe die Amputation einer Pfote bevor. „Für solche Eingriffe können wir nicht mit den Standardspenden aufkommen.“ 

  • Zu Gast im TV-Studio bei “Trude Kuh”-Vereinsförderung

    Zu Gast im TV-Studio bei “Trude Kuh”-Vereinsförderung

    Bericht vom 22.08.2025 

    Wenn das eigene Tier plötzlich Hunger leidet, weil der Geldbeutel nicht mehr reicht, dann ist die Not groß. In dieser Situation springt die Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn ein. Gegründet im Jahr 2019 von Bettina Reichel und Sven Scheuermann, hat der Verein längst eine zentrale Rolle übernommen, wenn es darum geht, Tierhalterinnen und Tierhalter in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen. Im Gespräch mit Georg Mahn, Redaktionsleiter der „Trude Kuh“-Vereinsförderung, waren die beiden live aus Steinheim zugeschaltet und gaben Einblicke in ihre Arbeit, die Herausforderungen im Alltag und die besonderen Geschichten hinter den Zahlen. Die Fakten sprechen für sich: Rund 50 Mitglieder gehören heute zur Tiertafel, 25 davon sind aktiv im Einsatz. Versorgt werden derzeit 61 Tierhalter mit insgesamt 97 Tieren – Hunde, Katzen und manchmal auch Kleintiere, die ohne das Engagement des Vereins Gefahr laufen würden, ihr Zuhause zu verlieren. Im Lager in Steinheim an der Murr, auf 70 Quadratmetern, stapeln sich die Futtersäcke und Zubehör. Hier wird sortiert, kommissioniert und verteilt. Das klingt organisatorisch, doch hinter jeder Zahl steht ein Schicksal, hinter jedem Futtersack eine persönliche Geschichte. 

    Wenn Notlagen Mensch und Tier treffen 

    Im Gespräch schilderte Bettina Reichel eindrücklich, wie schnell Menschen unverschuldet in eine Situation geraten können, in der das Geld für das Nötigste fehlt. Krankheit, Jobverlust, Trennung oder eine Rente, die hinten und vorne nicht reicht – Gründe gibt es viele. Gerade Tierhalter trifft es besonders hart, denn sie tragen Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch für ein Lebewesen, das von ihnen abhängig ist. „Niemand soll sein Tier abgeben müssen, nur weil das Geld nicht mehr reicht“, brachte Sven Scheuermann die Motivation auf den Punkt. Die Tiertafel hilft dort, wo Sozialhilfe, Grundsicherung oder Wohngeld allein nicht ausreichen. Voraussetzung für eine Unterstützung ist, dass das Tier bereits vor Eintritt der Notlage Teil des Haushalts war. So soll verhindert werden, dass Tiere angeschafft werden, nur um über die Tiertafel versorgt zu werden. Doch die Nachfrage ist groß, größer als die Möglichkeiten. Deshalb musste der Verein eine Warteliste einführen. Wer Hilfe braucht, meldet sich, füllt ein Formular aus und wird aufgenommen, sobald ein Platz frei wird. Dieser bürokratische Schritt sei notwendig, erklärte Reichel, weil die Ressourcen begrenzt sind. „Wir möchten jedem gerecht werden, aber wir können nur das verteilen, was wir bekommen“, sagte sie im Interview. 

    Ehrenamt als tragende Säule 

    Die Tiertafel ist ein Paradebeispiel für ehrenamtliches Engagement. Ohne die Helferinnen und Helfer würde nichts funktionieren. Manche fahren regelmäßig ins Lager, um Spenden zu sortieren, andere kümmern sich um Transporte oder helfen bei Veranstaltungen. Wieder andere unterstützen in der Öffentlichkeitsarbeit, pflegen die Website oder die Social-Media-Kanäle. „Es ist eine Gemeinschaft, die weit über das Verteilen von Futter hinausgeht“, beschrieb Scheuermann die Arbeit. Denn die Hilfe beschränkt sich nicht auf die Tiere. Sie erreicht auch die Menschen, die in schwierigen Situationen oft mit Scham oder dem Gefühl der Isolation zu kämpfen haben. Wer zur Tiertafel kommt, findet nicht nur Unterstützung, sondern auch Verständnis. Das Gefühl, nicht allein gelassen zu werden, sei für viele ebenso wichtig wie das Futter für Hund oder Katze. Georg Mahn hakte im Gespräch nach, wie Menschen selbst aktiv werden können. Die Antwort war klar: Jeder, der etwas Zeit übrig hat, kann mitmachen. Ob jung oder alt, ob mit Muskelkraft beim Tragen oder mit Kommunikationsgeschick in der Öffentlichkeitsarbeit – jede Hand wird gebraucht. Besonders wertvoll sei es, wenn sich Menschen langfristig einbringen. Denn gerade die Kontinuität, das Verlässliche, mache die Tiertafel zu einem sicheren Anker für Tierhalterinnen und Tierhalter. 

    Notfellchen und die Kraft der Patenschaften 

    Doch es gibt Situationen, in denen Futterspenden allein nicht reichen. Wenn ein Tier krank wird, wenn Medikamente oder spezielles Diätfutter notwendig werden, dann entstehen schnell hohe Kosten, die die betroffenen Halterinnen und Halter schlicht nicht stemmen können. In diesen Momenten greift die Tiertafel zu einem besonderen Instrument: den Patenschaften. Unter dem Begriff „Notfellchen“ sammeln die Verantwortlichen gezielt Spenden für einzelne Tiere, die dringend Hilfe brauchen. Tierfreunde können hier direkt Verantwortung übernehmen – mit einem festen monatlichen Beitrag oder einer einmaligen Unterstützung. Die Paten erhalten im Gegenzug regelmäßige Informationen über das Tier, dessen Geschichte sie ein Stück weit mitschreiben. „Es geht darum, dass ein Tier nicht leiden muss, nur weil der Halter krank geworden ist oder plötzlich ein Medikament über 100 Euro im Monat kostet“, erklärte Reichel. Die Resonanz sei berührend. Immer wieder gebe es Menschen, die spontan helfen und damit zeigen: Solidarität funktioniert auch über die eigenen vier Wände hinaus. Für Mahn war dieser Punkt ein entscheidender Moment des Gesprächs. Denn er machte deutlich, dass die Tiertafel nicht nur eine logistische Einrichtung ist, sondern auch eine Brücke zwischen Tierfreunden in ganz unterschiedlichen Lebenslagen. Wer mehr hat, gibt ein Stück ab. Wer weniger hat, bekommt Unterstützung. In dieser Balance liegt die besondere Stärke des Vereins. 

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    Link: Trude Kuh Vereinsförderung  

  • Wenn das Geld nicht mehr fürs Tier reicht

    Wenn das Geld nicht mehr fürs Tier reicht

    Quelle: Marbacher und Stuttgarter Zeitung // Autor: Oliver von Schaewen // Foto: Andreas Essig //   Zum Artikel
    Dramatisch angestiegen ist die Zahl derer, die um Futter bei der Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn bitten.

    WIE KANN MAN HELFEN?

    Spenden Geldspenden sind nach Auskunft der Tiertafel hilfreich, damit Tierfutter gekauft oder tierärztliche Behandlungen finanziert werden können. Die Bankdaten sind auf der Internetseite der Tafel zu finden: backup.tita-lbhn.de/.

    Patenschaft Die Tiertafel vermittelt Patenschaften für einzelne kranke Tiere und deren bedürftige Besitzer. Durch monatliche Zuwendungen können aber auch Medikamente für die sogenannten Notfellchen finan- ziert werden.

    Lager Die Tiertafel sucht ein neues Lager, um Nahrungsmittel und anderes Zubehör zur Tierhaltung unterzubringen. Sollte jemand ein Objekt vermitteln oder zur Verfügung stellen können, sollte er Kontakt auf- nehmen unter 0 15 25/ 71 02 55 89. ole

     

    Kreis Ludwigsburg. Spritgeld lehnt Jürgen Pony kategorisch ab. Einmal im Monat fährt der 66-Jährige in seinem Privatwagen Futter der Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn aus. Pony startet am Wohnort Oberstenfeld und versorgt Bedürftige, die sich Nahrung für ihr Haustier nicht mehr leisten können. Die 70 Kilometer lange Tour führt von Ilsfeld, Lauffen und Besigheim über Großbottwar und Steinheim zurück ins obere Bottwartal. Daheim in Oberstenfeld sichtet er im Lager auf dem ehemaligen Werzalit-Gelände oft schon am frühen Morgen die Bestände. In jüngster Zeit jedoch mit einiger Sorge.

    Denn die Regale im Lager sind längst nicht mehr so voll wie noch vor zwei Jahren. Die Nachfrage habe sich seither verdoppelt, berichtet Bettina Reichel, Vorsitzende des Vereins Tiertafel, der 2019 gegründet wurde und jetzt 48 Mitglieder zählt. Der Krieg in der Ukraine habe auch Haustiere ins Land gebracht. Zudem könnten sich viele Menschen Futter und Tierarztkosten, die im November wegen einer neuer Gebührenordnung explodiert seien, nicht mehr leisten. „Wir treffen auf sehr viel Not“, erzählt Reichel, die von 110 Hunden, Katzen und anderem Getier bei derzeit 67 Haltern spricht.

    Die Motivation der Vereinsmitglieder sei ungebrochen, doch bei dem Andrang könnte der Verein mehr Helfer und Spenden vertragen. „Wir sind die einzige Tiertafel in Deutschland, die das Futter bis vor die Haustür anliefert“, sagt Bettina Reichel. Andere Tafeln operierten in größeren Städten – dort holten sich die Bedürftigen Futter und Katzenstreu per ÖPNV am Lager ab. Das klappe bei der Tiertafel für die beiden Landkreise Ludwigsburg und Heilbronn jedoch nicht. „Wir sind viel zu sehr auf der Fläche verteilt, die Menschen können hier nicht vom Land aus zu uns kommen. Sie haben ja auch kein Auto.“ Für einen Hund wiege eine Monatsration beachtliche 30 Kilogramm. Solche Mengen seien nicht einfach zu bewegen.

    So geht es derzeit mit fünf Privatautos alle vier Wochen los, bis an die Stadtgrenze von Stuttgart und in Teilorte von Vaihingen an der Enz. Reichten noch vor zwei Jahren pro Tour rund 300 Kilo Futter, sind es inzwischen 500.

    Mehr Spenden und auch kleinere Arbeiten im Lager oder für die Webseite des Vereins wären langfristig nötig, erklärt Bettina Reichels Ehemann Sven Scheuermann, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Geldspenden hielten die Hilfe aufrecht, so könnten die Vereinsmitglieder Futter nachkaufen. Wertvoll sei aber auch die Unterstützung eines Tierfutter-Ladens und einer Discounterkette in Ilsfeld. „Dort steht für uns ein Korb, und die Kunden können dort eingekauftes Futter für uns ablegen.“ Tiernahrung, dessen Haltbarkeitsdatum fast oder ganz abgelaufen sei, bekommt der Verein aus dem Handel nicht. „Eine solche Hilfe würde uns aber freuen und weiterhelfen.“

    Froh ist die Tiertafel über den Support durch die Backnanger Levkas GmbH, die das alte Lagerhaus auf dem Oberstenfelder Werksgelände für eine „extrem tierliebe“ Miete zur Verfügung stellt, so Scheuermann. Allerdings werde der Verein die Halle wahrscheinlich irgendwann in den nächsten zwei Jahren räumen müssen, da Levkas mit der Gemeinde auf dem Areal das große Neubaugebiet Bottwarwiesen für 1300 Personen errichten wolle. „Wir sind auf der Suche nach einem neuen Lagerhaus, tun uns aber schwer damit.“ Scheuermann, der als Höpfigheimer wie viele andere Vereinsmitglieder im Raum Marbach und Bottwartal wohnt, wäre froh, wenn wieder eine Halle mit einem festen Gemäuer gefunden werden könnte. „Eine Scheune reicht leider nicht, weil wir die Tiernahrung vor Nagern schützen müssen.“

    In einzelnen Rathäusern habe der Verein schon auf der Suche nach einer neuen Halle angeklopft, doch habe sich noch nichts ergeben, erzählt Sven Scheuermann, der wie seine Frau bei Bosch arbeitet und erschrocken war zu sehen, wie wenig sich die bedürftigen Menschen wirklich leisten könnten. „Das ist schon schlimm zu hören, dass auf etwas gespart wird, was andere sofort selbst schnell kaufen könnten.“ Einen Missbrauch des Vereinsansinnens schließt Sven Scheuermann weitgehend aus. „Wer zu uns kommt, muss sich outen und seine Vermögensverhältnisse offenlegen.“ Diesen Schritt scheuten sicherlich viele. Wer dennoch komme, meine es ernst: Tiere sollten nicht im Tierheim landen müssen, findet Scheuermann. Es sei schön, wenn Menschen im Haustier weiterhin einen Rückhalt fänden. So hätten auch Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ihre Lieblinge mitgenommen. „Die Geflüchteten sind untereinander sehr gut vernetzt und kommen vermehrt auf uns zu.“

    Zugenommen hat offenbar auch der Bedarf an Spezialnahrung für kranke Tiere. Michaela Kroker, die früher als freigestellte Betriebsrätin bei der Deutschen Post tätig war und an diesem Vormittag ebenfalls im Lager mithilft, staunt: „Eine Packung Trockenfutter für Katzen mit Bauchspeicheldrüsenentzündung kostet 38 Euro. Sonst zahlt man für normale Nahrung etwa sechs Euro.“

  • Mit dem Haustier auf der Flucht

    Hilfe für Tiere in Not

    Quelle: Marbacher Zeitung // Autor: Sabine Armbruster // Foto: Simon Granville // Zum Artikel
    Iryna Verbivska, Alina Avdonina und Mohammed Al Dgburi sind im Februar aus der Ukraine geflohen. Dass ihre Hunde mitkommen, stand für sie außer Frage, obwohl sie sonst nur das Nötigste mitnehmen konnten. Die Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn hilft den Flüchtlingstieren.

    KREIS LUDWIGSBURG. Das Bild, das Mohammed Al Dgburi beim Besuch in der Redaktion unserer Zeitung vorzeigt, geht direkt ins Herz. Seine Frau Alina Avdonina hat es irgendwo unterwegs auf der Flucht vom ukrainischen Charkiw über Polen bis nach Ludwigsburg mit dem Smartphone gemacht. Er liegt, in eine warme Jacke gekleidet, schlafend auf dem zurückgeklappten Fahrersitz des Autos. Auf seinem Bauch hat sich ein rotbrauner, wuscheliger Zwergspitz zusammengerollt und schläft ebenfalls.

    Ein Bild, das zeigt, wie eng die Bindung zwischen Mensch und Hund ist. Und das ebenso deutlich macht, warum weder Al Dgburi noch Avdonina die Flucht ohne ihre beiden Hunde angetreten hätten. „Ich hätte die Tiere nie verlassen können“, sagt Alina Avdonina. „Wir sind wie eine Familie.“

    Und dennoch: Dass sie die beiden Fellknäuel, den achtjährigen Jonny und dessen Sohn, den vierjährigen Tedy, mitnehmen konnten, war ein enormes Glück. Denn als sie am 26. Februar, nur mit dem Nötigsten in einer kleinen Tasche ausgerüstet, in ihrer Heimatstadt ins Auto stiegen und losfahren wollten, sprang dieses nicht an. Warum, wissen sie nicht. „In der Nähe ist eine russische Rakete eingeschlagen, vielleicht war das die Ursache“, mutmaßt die junge Frau.

    Freunde, die zwei Autos hatten, liehen ihnen eines davon, wofür sie unglaublich dankbar sind. Denn, so erzählt Avdonina: „Im Bus durfte man keine Tiere mitnehmen.“ Deshalb hätten viele Flüchtende ihre Lieblinge schweren Herzens zurückgelassen und sie, sofern möglich, bei Freunden und Verwandten untergebracht. Eine weitere Sorge, die viele Tierbesitzer umgetrieben habe, sei gewesen, mit Katze oder Hund unterwegs keine Unterkunft zu bekommen und auch im Ausland kein Geld für Tierfutter zu haben.

    Deshalb seien am Anfang viele herrenlose Tiere durch die Stadt geirrt. Jetzt seien dort praktisch keine mehr. „Die Russen haben sie getötet“, glaubt die junge Ukrainerin. „Ein paar haben sich vielleicht vor lauter Angst auch versteckt.“ Allerdings gebe es inzwischen auch Freiwillige, die versuchten, die zurückgelassenen Tiere über Polen aus dem Land zu bringen. Denn Tierheime gebe es dort inzwischen keine mehr.

    Wo sie nach ihrer gefährlichen Flucht mit Raketenbeschuss letzten Endes landen würden, wussten die beiden nicht, aber es spielte auch keine Rolle für sie. „Hauptsache, ein Bett und eine Unterkunft, wo die Hunde erlaubt sind.“ Eigentlich dachten sie, sie könnten ins benachbarte Polen fliehen und dort das baldige Ende des Krieges abwarten. Dass der so lange dauern würde, damit hat keiner von ihnen gerechnet. Und jetzt? „Wir haben in einer schönen Gegend gelebt; jetzt ist alles kaputt; trotzdem leben noch Menschen dort.“ Letzten Endes führte die Flucht sie über Polen nach Ludwigsburg, wo sie heute in einer Anschlussunterbringung leben.

    Dort haben nicht nur Frauchen und Herrchen das ersehnte Bett. Auch Tedy und Jonny können es sich in zwei kuscheligen Körbchen gemütlich machen, haben alle notwendigen Impfungen bekommen und brauchen auch nicht zu hungern. Zu verdanken haben die Vierbeiner das der Tiertafel Ludwigsburg/ Heilbronn, einem gemeinnützigen Verein, der Tierhalter unterstützt, die nicht mehr selbst für Futter- oder Tierarztkosten ihrer Lieblinge aufkommen können. „Aktuell betreuen wir acht ukrainische Tierhalter mit acht Hunden und drei Katzen“, berichtet Bettina Reichel, die Erste Vorsitzende des Vereins. Insgesamt würden derzeit rund 70 Tiere von bedürftigen Haltern mit allem Notwendigen versorgt. In erster Linie Katzen und Hunde, aber auch drei Vögel und drei Meerschweinchen seien darunter, so Reichel.

    Auch Iryna Verbivska ist mit ihrem Hund Nigel auf der Flucht aus dem ukrainischen Tscherkassy im Landkreis Ludwigsburg gelandet und wohnt heute in Kornwestheim. Nigel ist ein Staffordhire Bullterrier und ein sanftmütiger Schmusebär, der das schlechte Image der Rasse Lügen straft. Ohne ihn zu fliehen, wäre für Verbivska ebenfalls unvorstellbar gewesen. Mit ihrer Mutter und ihrer Oma, deren beiden Katzen und Nigel war sie zunächst nach Moldawien geflohen. „Aber dort gab es keine Arbeit und kein Geld, deshalb bin ich nach Deutschland geflogen und habe gefragt, ob unsere Tiere auch mitkommen dürften“, erzählt die junge Frau, die fließend Deutsch spricht und deshalb inzwischen als Dolmetscherin im Ludwigsburger Rathaus arbeitet. Zum Glück habe man das bejaht. „Sonst wäre ich wieder zurückgegangen.“ So jedoch sind Mutter und Oma samt Katzen nachgekommen.

    Durch Zufall ist Iryna Verbivska auf die Tiertafel gestoßen, die ihr in der Anfangszeit geholfen hat. Heute ist sie nicht mehr darauf angewiesen. Nun stellt sie den Kontakt zu Landsleuten her, die nicht wissen, wie sie hier das Geld für ihre Lieblinge aufbringen sollen. „Aber die Telefonnummer der Tiertafel bekommen nur die, von denen ich weiß, dass sie in Not sind“, betont sie. Und die sind, wie Mohammed Al Dgburi und Alina Avdonina, unendlich dankbar für die Hilfe.

  • BW24-Portal

    Tiertafel kümmert sich um Haustiere von Bedürftigen: „Wir unterstützen, wo wir können“

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    Quelle: BW24  // Foto: © Sina Alonso Garcia/BW24 // Zum Artikel
    Die Tiertafel in Oberstenfeld sammelt Futter und andere Spenden für Tiere von Bedürftigen. 35 tierliebe Ehrenamtliche sorgen dafür, dass die Regale gefüllt sind und die Spenden rechtzeitig ankommen.

    Oberstenfeld – Es kann jeden treffen: Man wird schwer krank, verliert seine Arbeit oder rutscht in eine mickrige Rente und plötzlich reicht das Geld nicht mehr zum Leben – geschweige denn, um ein Haustier zu versorgen. Wer plötzlich mit Hartz IV oder einer kleinen Altersvorsorge auskommen und zudem eine Katze, einen Hund oder ein Kleintier ernähren muss, steht vor einem Dilemma. „Für viele dieser Menschen sind ihre Haustiere ihr einziger Halt im Leben“, sagt Bettina Reichel, erste Vorsitzende der Tiertafel in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg), im Gespräch mit BW24.

    Auf einer Fläche von 75 Quadratmetern sammelt die Tiertafel Futter, Körbchen, Fressnäpfe, Leinen, Halsbänder – und alles andere, was Tiere eben so brauchen. Ehrenamtliche Tafel-Mitglieder verpacken kiloweise Säcke Futter für 40 Tierhalter aus den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn. Insgesamt 80 Hunde, Katzen, Vögel, Meerschweinchen und Kaninchen bekommen so regelmäßig genug zu fressen.

    „Alle drei Wochen fahren wir die Pakete an die Besitzer aus – die meisten von ihnen haben kein eigenes Auto“, erklärt Michaela Bakowski, zweite Vorsitzende des Vereins. Im dreiwöchigen Turnus liefert die Tiertafel zwei Drittel der durchschnittlich benötigten Futtermenge an die Bedürftigen aus. Ein Drittel muss der Tierhalter selber aufbringen. Auch Kosten für den Tierarzt übernimmt der Verein zu einem Großteil.

    Fast täglich steht Michaela Bakowski im Lager, sortiert die Spenden und packt Pakete. „Ein Fitnessstudio brauche ich bei der Schlepperei hier nicht mehr“, lacht sie. Alleine das Futterpaket für eine Besitzerin von drei Hunden, das Bakowski gerade verpackt hat, wiegt mehr als 26 Kilogramm. Insgesamt kommt für die 100 Tiere in drei Wochen eine Menge von fast 300 Kilogramm an Futter und Spendenmaterial zusammen.

    „Die meisten Spenden hier kommen vom Fressnapf in Ilsfeld“, erklärt Bakowski. Auf einer Aktionsfläche würden Kunden dort gezielt angesprochen, neben ihren regulären Einkäufen auch etwas für die Tiertafel zu kaufen. „Für den Fressnapf und für uns ist das eine Win-Win-Situation“, so Bakowski. Auch die Kaufland-Filiale in Ilsfeld kooperiert mit der Tiertafel. Dort können Kunden ihre Pfandflaschen in eine Sammelbox werfen, deren Erlös später direkt an die Tafel geht.

    Tiertafel auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten – altes Gelände wird abgerissen

    Auch Privatleute geben regelmäßig Spenden bei der Tiertafel ab. „Wir haben eine Familie, die regelmäßig ein mit Tierbedarf vollgeladenes Auto bei uns vorbeischickt – sie möchten allerdings anonym bleiben“, sagt Bakowski. Immer wieder finden Mitarbeiter der Tiertafel vor ihrer Haustüre Spenden vor – „auch hier wissen wir nicht immer, von wem sie kommen.“ Viele Spender melden sich zudem über die Website des Vereins oder soziale Netzwerke.

    Ein tierlieber Mensch ist offenbar auch der Vermieter des Lagers auf dem Fabrikgelände in Oberstenfeld, der dem Verein die Räumlichkeiten für einen „symbolischen Betrag“ zur Verfügung stellt. Aktuell muss sich die Tiertafel leider nach einer neuen Bleibe umschauen. „Das Gelände wird abgerissen, weil die Firma pleite gegangen ist“, erklärt Bettina Reichel. Wann genau der Abriss vollzogen wird, wisse man nicht. „Natürlich müssen wir uns jetzt schon nach neuen Räumen umschauen, um rechtzeitig etwas Neues zu finden.“ Am liebsten wäre dem Verein ein Standort inmitten der Landkreise Ludwigsburg und Heilbronn, ähnlich wie das Bottwartal.

    Tiertafel-Vorsitzende: Menschen helfen, damit sie ihr geliebtes Tier nicht abgeben müssen

    „Wichtig zu erwähnen wäre, dass wir nur Tierhalter bei uns annehmen, die ihr Haustier schon besessen haben, bevor sie bedürftig wurden“, erklärt Reichel. „Das wird von uns im Voraus genau geprüft. Der Hintergedanke soll nicht sein: Ich schaffe mir ein Haustier an und lasse andere die Kosten übernehmen.“ Vielmehr sei es wichtig, Menschen, die bereits ein Haustier hatten, bevor sie finanziell abrutschten, zu unterstützen, damit sie ihr geliebtes Tier nicht abgeben müssen. Zudem prüft der Verein vorab, ob die Tiere artgerecht gehalten werden.

    Die Arbeit der 35 Ehrenamtlichen, Bettina Reichel und Michaela Bakowski mit eingeschlossen, geht weit über das hinaus, was man unter „ein bisschen Ehrenamt“ verstehen würde. Alleine Bakowski arbeitet jede Woche 20 Stunden im Lager. Die Vereinsvorsitzende Reichel ist praktisch Tag und Nacht für die 40 Tierhalter erreichbar und springt ein, wenn es Notfälle für den Tierarzt gibt. „Alle unsere Mitglieder sind sehr sozial und unglaublich aktiv – wir helfen, wo wir können“, so Bakowski. Oft gehe es nicht nur darum, die Tierhalter mit Futter für ihre Vierbeiner zu versorgen, sondern ihnen auch bei anderen Aspekten unter die Arme zu greifen – beispielsweise, wenn es um kleinere Wartungsarbeiten an Gehegen geht.

    Wer die Tiertafel mit einer Spende unterstützen möchte, hat auf der Spendenplattform www.betterplace.org die Möglichkeit dazu. Weitere Informationen finden sich unter backup.tita-lbhn.de/ sowie auf Facebook und Instagram.

  • Ludwigsburger Kreiszeitung

    Die Tiertafel Ludwigsburg-Heilbronn hilft Bedürftigen, damit es ihren Lieblingen gut geht

    Quelle: Ludwigsburger Kreizeitung // Foto: Ramona Theiss  // Zum Artikel
    „Viele unserer Abnehmer leben nur noch, weil es ihr Haustier gibt“, macht Kerstin Fink deutlich. Deshalb unterstützt die Tiertafel Ludwigsburg-Heilbronn Bedürftige mit Futter und bei Tierarztrechnungen.

    Es sind traurige Geschichten, die sich Bettina Reichel, Michaela Bakowski und Kerstin Fink von der Tiertafel mit Sitz in Steinheim anhören müssen. In den allermeisten Fällen hatten die Tierhalter schon ein Haustier, bevor sie bedürftig wurden, und es stehe immer an erster Stelle. Eher gönnten sich die Betroffenen selbst nichts, als dass sie am Tier sparen, haben die Damen beobachtet. Mit dem Abrutschen in Hartz IV oder in die Rente können sie sich plötzlich das Futter für ihren Schützling nicht mehr leisten. Ganz schlimm wird es, wenn auch noch ein teurer Tierarztbesuch ansteht. In diesen Fällen springt die Tafel ein, wenn die Bedürftigen ihre Scham überwunden haben und sich melden, oder wenn der Tierarzt einen Hinweis gibt. „Wir überprüfen die Bedürftigkeit, machen eine Kontrolle vor Ort und schauen, wie das Tier untergebracht ist“, erklärt die Vorsitzende Bettina Reichel. Natürlich komme man auch mal in nicht ganz so hübsche Unterkünfte, in der Regel gehe es den Tieren aber sehr gut. „So unordentlich es sonst ist, für das Tier wird Platz freigeräumt“, sagt Reichel.

    Das Verantwortungsbewusstsein fürs Tier sei in der Regel stark ausgeprägt. Wenn etwas doch nicht in Ordnung sein sollte, gebe man Hinweise, wirke erzieherisch. „Wenn Tiere zum Beispiel übergewichtig sind, greife ich massiv ein“, sagt Michaela Bakowski. „Die Tiere sind Gesprächs- und Lebenspartnerersatz und häufig der einzige Grund, um noch zu leben“, weiß Kerstin Fink. Das Tier zwingt die Menschen, morgens aufzustehen, sich um das Tier zu kümmern. Mit Hunden muss man zudem raus ins Freie und kann so bei einem über den Liebling entstandenen Smalltalk soziale Kontakte knüpfen. Häufig sind die Damen und Herren von der Tiertafel der einzige soziale Kontakt. „Wir hören sehr viele Geschichten. Manchmal hilft man auch privat, aber das geht nicht immer“, sagt Bettina Reichel. Mit der Zeit lerne man aber, sich emotional von den Schicksalen zu distanzieren. Man merke auch schnell, wenn man ausgenutzt werde. „Man findet nur einmal nach einer Auslieferung einen Katzenkorb bei eBay-Kleinanzeigen“, macht Bakowski die Konsequenzen deutlich.

    40 Tierhalter mit 100 Tieren

    In der Regel fahren die Helfer das Futter alle drei Wochen in den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn aus. Teams packen die Waren in der Halle aus und verteilen sie in fünf Touren. Zwei Drittel des Futterbedarfs liefert die Tafel, ein Drittel muss der Bedürftige selbst besorgen. Die Spenden bekommt der Verein von Privatpersonen, ab und zu von Aktionen aus Tierfachmärkten oder die Mitglieder kaufen selbst Futter vom gespendeten Geld. Derzeit betreut die Tafel 40 Tierhalter mit 100 Tieren. Die Katze ist auch hier das beliebteste Haustier.

    Neues Lager gesucht

    Der Verein hat aber bald selbst ein Problem: Mit dem Beginn der Bauarbeiten für das neue Gebiet Bottwarwiesen wird auch die Halle auf dem Werzalit-Areal abgerissen und er steht ohne Lager da. Und wie schwer es ist, etwas Passendes zu finden, wissen die Frauen aus der Suche vor drei Jahren, als die als Lager genutzte Garage in Ilsfeld zu klein wurde. „Es ist schwierig, etwas Bezahlbares zu finden“, konkretisiert Michaela Bakowski. Ihr jetziger Vermieter verlange einen symbolischen Preis, den sie ebenfalls aus Spendengeldern bezahlen. Damals haben sie länger als ein Jahr gesucht, weshalb sie jetzt schon auf ihr Problem aufmerksam machen. Für Futtermittel, Hundekörbe und sonstiges Zubehör brauchen sie ungefähr die Fläche von drei bis vier Garagen. Aber auch helfende Hände, neue Mitglieder oder Spendenwillige sind immer willkommen.

  • SWR1 „Kaffee oder Tee“

    Interview über die Tiertafel vom 14.01.2021

  • Marbacher Zeitung

    Immer im Einsatz für Zwei- und Vierbeiner

    Quelle: Marbacher Zeitung // Autor: Julia Amrhein // Foto: KS-Images.de // Zum Artikel
    Die in Mundelsheim gegründete und heute in Steinheim ansässige Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn hilft Tieren und ihren Besitzern nicht nur bei Futterknappheit.

    Mundelsheim – Hilfsbereitschaft – als ich diesen Wert unter den Werten entdeckt habe, hatte ich fast erwartet, um diesen Serienteil mit anderen Kollegen zu konkurrieren. Seit ich bei der Zeitung arbeite, sind mir schon viele wunderbare Hilfsprojekte über den Weg gelaufen, die sicher alle ihre Aufmerksamkeit verdient hätten. Aber unter all diesen gibt es einen Verein, der mir immer im Kopf bleibt und dessen Posts auf Facebook mir regelmäßig ein großes Lächeln ins Gesicht zaubern: die Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn.

    Vielleicht liegt es daran, dass ich diesen Verein von seiner Geburtsstunde an begleitet habe. 2018 kam eine Mail von Anne Stark in unser Postfach geflattert. Die 31-Jährige war frisch nach Mundelsheim gezogen und vermisste dort das Angebot einer Tiertafel, das sie zuvor in ihrer Heimat unterstützt hatte. Und anstatt nur zu bruddeln, packte sie die Sache selbst an und rief „Willis Tiertafel“ ins Leben – benannt nach ihrem Kater. Ich habe eh eine Schwäche für Geschichten mit Tieren und um Tiere, daher nahm ich mich des Themas gerne an. Und zugegeben: Ich kannte zwar die Tafelläden, aber was eine Tiertafel tut, war mir selbst erst nicht so klar.

    Kurzgefasst: Die Helfer sammeln Futter- und Sachspenden, die an Tierbesitzer in Not ausgeliefert werden, damit die Näpfe nicht leer bleiben müssen. Eine Idee, die schnell auf Resonanz stieß und schließlich sogar den Wegzug der Gründerin überlebte. Ehemalige Mitglieder führten die Idee im Anschluss eigenständig fort, ließen die Tafel als Verein eintragen und sicherten dem Angebot so die Zukunft. Derzeit werden 32  Kunden mit 63 Tieren mit allem Nötigen beliefert. Pro Ausfahrt – übrigens mit den Privatautos – werden 272  Kilogramm Futter transportiert.

    Schnell kam mir die Idee, einmal für eine Reportage an einer solchen Fahrt teilzunehmen. Ich schickte eine Anfrage und wurde um Geduld gebeten. Natürlich mussten erst die Kunden gefragt werden, ob das in Ordnung ist. Schließlich handelt es sich dabei um Menschen, die auf die eine oder andere Weise in finanzielle Not geraten sind. Vielen ist das unangenehm, sie wollen nicht mit Namen und Foto in der Zeitung stehen. Zwei Frauen erklärten sich damals aber trotzdem bereit, mich in ihre Wohnung zu lassen. Der Grund: Sie wollten der Tiertafel etwas zurückgeben. Eine Haltung, die mich beeindruckt hat. Da sind Menschen, denen es schlecht geht und die trotzdem an andere denken. Undwährend wir so von Haus zu Haus fuhren, ist mir eines deutlich vor Augen geführt worden: Die Tiertafel leistet so viel mehr, als nur Futterspenden abzugeben. Sie ist nämlich auch für die Herrchen und Frauchen eine enorme Stütze und hilft, wo auch immer sie kann – gerade jetzt in diesem coronageprägten Jahr. „Unsere Kunden sind sehr besorgt“, erzählt die Beisitzerin Karin Faber. Mit ihr sowie Schriftführerin Kaja Sprengel und der Vorsitzenden Bettina Reichel habe ich mich an einem Adventsabend per Videochat verabredet, um über 2020 und die Tiertafel zu sprechen. Und einmal mehr war ich berührt von der Liebe und der Kraft, die die Mitglieder der Tiertafel in ihr Ehrenamt stecken.

    So gab es zu Jahresbeginn eine gemeinsame Aktion mit dem Lions Club Schozachtal und dem Kaufland Ilsfeld. Da die Tafelläden zum Teil geschlossen hatten, fehlte es den Kunden neben Tierfutter plötzlich auch an Dingen wie Nudeln, Mehl oder Zucker. „Uns tun die paar Euro im Supermarkt nicht weh, ihnen schon“, hatte Bettina Reichel festgestellt. Die Tiertafel vermittelte Kontakte zwischen ihren Kunden und der Hilfsaktion. Später kontaktierte noch ein Tierarzt den Verein, so Reichel: „Er kam dann auf eine Fahrt mit und hat sich bei Bedarf die Vierbeiner einfach mal angeguckt.“ Und manchmal tut es den Menschen auch einfach nur gut, dass da jemand ist, der sich Zeit für sie nimmt.

    „Es sind Schicksale, die uns nicht kaltlassen und tief berühren“, berichtet Karin Faber. Wegsehen geht da nicht, die Tiertafel packt an und macht möglich, was möglich ist. So gab es etwa einen Hundebesitzer, dessen Tier es nicht so gut ging. Ein Besuch beim Tierarzt ergab einen großen Tumor. Die Operationskosten waren unbezahlbar – wären da nicht die Spender der Tiertafel gewesen, die ausgeholfen haben. Ein anderer Fall, der den Helfern gut im Gedächtnis geblieben ist, war der einer Familie, deren Hund nach einer schweren Operation verstarb. Kurz darauf wurde die Katze angefahren. Ein Mann hatte seine Wohnung verloren, mit Hund war es schwer, etwas Neues zu finden, erinnert sich Bettina Reichel: „Er sagte, er würde lieber auf der Straße leben, bevor er sein Tier weggeben muss.“ Das konnte verhindert werden. Betreuer, Unterkünfte oder Anträge – die Mitglieder der Tiertafel bewegen viel. „Die Stunden darf man da gar nicht zählen, es macht Spaß, und deshalb schauen wir nicht auf die Uhr“, so Faber. Wer gerade Zeit hat, hilft aus: „Jeder so viel, wie er leisten kann.“

    Weitere Mitstreiter sind da jederzeit willkommen. Vor allem Fahrer werden immer gebraucht, denn das Gebiet, das die Tiertafel abdeckt, ist groß. Derzeit gibt es drei Touren durch die Kreise Heilbronn und Ludwigsburg sowie im Bottwartal. „Ich komme in Ecken, die ich vorher noch nie gesehen habe“, so Kaja Sprengel mit einem Augenzwinkern. Ein Problem hat sich dafür aufgelöst: Das Lager war zu klein, Mitglieder hatten die Waren von Spendern und Kooperationspartnern zum Teil zuhause gelagert. Ab Januar steht hier dann ein Gebäude auf dem ehemaligen Werzalit-Gelände in Oberstenfeld bereit.

    Und eines Tages – man wird ja noch träumen dürfen – tourt dann hoffentlich ein eigenes Tafelmobil der Tiertafel durch die Landkreise. Zu wünschen wäre es den Männern und Frauen jedenfalls. Denn was sie in ihrer Freizeit leisten ist beachtlich. Ich ziehe meinen Hut für so viel Einsatz, Hilfsbereitschaft und Herzblut.

  • Hitradio Antenne1

    Beitrag Hitradio Antenne 1

    vom 05.09.2020



  • Ludwigsburger Kreiszeitung

    Hilfe für Tiere in Not

    Quelle: Ludwigsburger Kreizeitung // Autor: Patricia Rapp // Foto: LKZ Ludwigsburg // Zum Artikel
    „Wenn das Geld nicht mehr reicht, dann spart man als Erstes beim Tier und gibt es weg“, weiß Sandra Quinn. Der Verlust des Haustieres ist aber für viele kaum zu verkraften, deshalb wurde bereits 2018 „Willis Tiertafel“ ins Leben gerufen. Nun ist die Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn auch eingetragener Verein.

    Steinheim. Anne Stark hatte damals die Idee der Tiertafel, die es bereits in ganz Deutschland gibt. Denn Empfänger von Hartz IV, Frührentner oder alleinerziehende Mütter können häufig das Futter mit Kosten von rund 30 Euro im Monat für eine Katze oder einen Hund nicht mehr zahlen. „Häufig reicht eine Mieterhöhung, und das ganze Konstrukt bricht zusammen“, berichtet Sandra Quinn, Schriftführerin des Vereins. Da man nicht verlangen könne, dass der Staat auch noch Hartz IV für Tiere zahle, will die Tiertafel hier helfen, wobei Voraussetzung ist, dass es das Tier bereits gab. Neuanschaffungen werden nicht unterstützt. Wer sich in einer finanziell prekären Situation noch ein Tier anschaffe, beweise in der Regel auch in der Folge nicht unbedingt viel Verantwortungsbewusstsein.

    Häufig sei das Tier aber wie ein Familienmitglied. „Für viele ist das Tier noch der einzige Grund, um weiterzumachen und die Hoffnung nicht aufzugeben.“ So berichtet sie zum Beispiel von einer Frau, die erkrankt ist und nicht mehr arbeiten kann. Wenn Hund Micki nicht mehr wäre, würde für die zwölfjährige Tochter eine Welt zusammenbrechen. Da Micki aber auch krank ist und unter einer Lebensmittelallergie leidet, hat Quinn selbst eine Patenschaft für den Hund übernommen und zahlt die Tierarztrechnungen.

    Denn häufig ist es mit dem Futter nicht getan. Bei der Auslieferung stellen die Mitglieder oft fest, dass das Tier krank ist. Deshalb soll langfristig auch eine Art Fonds eingerichtet werden, aus dem dann solche Notfälle versorgt werden. Aktuell gibt es ein Spendenkonto für den Hund Boomer. Er ist ein Assistenzhund, leidet aber selbst an Epilepsie. Die Medikamente sind mit 200 Euro pro Monat teuer, weshalb sich die Tiertafel entschlossen hat, hier zu unterstützen. Ziel ist es, dass jedes Tier, das der Tiertafel bekannt ist, auch einmal im Jahr zum Tierarzt kommt. Katzen müssen kastriert werden. Häufig brauchen auch die Besitzer Hilfe. Quinn erinnert sich noch gut an einen Antrittsbesuch bei einer älteren Frau, wo Frauchen und Hund einen abgemagerten und verwahrlosten Eindruck machten. „Wir sind oft der einzige Ansprechpartner für die Menschen. Diese Bindung ist aber auch wichtig, da wir so schnell sehen, wenn etwas entgleist“, so Quinn. Dies war auch für sie selbst eine Motivation, bei der Tiertafel mitzuhelfen. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Thailand wurde ihr bewusst, „in welch sensationellem Land wir leben“, sagt sie. Wenn sich jeder noch etwas ehrenamtlich engagiere, könne man noch mehr erreichen. Über das Internet stieß sie auf die Tafel und blieb hängen.

    Konkret sieht die Arbeit der Tiertafel derzeit so aus, dass ungefähr alle drei Wochen das Futter direkt zu den Kunden gefahren wird – die Hilfsbedürftigkeit muss allerdings nachgewiesen werden. In Remseck und Heilbronn gibt es Sammelstellen, wo das Futter direkt ausgegeben wird.

    Das Futter wird in der Regel von einer bekannten Fachhandelskette für Tiernahrung gespendet. Immer wieder gibt es aufgebrochene Kartons, die man nicht mehr verkaufen kann. Auch andere Läden, Privatleute oder Firmen spenden immer wieder Geld für Futter. Immer wieder präsentieren sich die 14 aktiven Mitglieder bei Aktionen oder mit Ständen – am Wochenende zum Beispiel beim Großbottwarer Weihnachtsmarkt. „Unsere Kunden helfen da auch sehr aktiv mit und basteln auch gerne etwas, was wir verkaufen können. Sie sind froh, wenn sie etwas zurückgeben können“, erzählt Quinn. Immer wieder sei sie positiv überrascht von der Hilfsbereitschaft. So könne die Tafel auch mehr Kunden annehmen – derzeit werden 27 Katzen, 15 Hunde und ein Kaninchen betreut. Die Kunden sind über den ganzen Kreis verteilt – von Marbach über Ludwigsburg und Kornwestheim bis nach Vaihingen.

    Zwei große Anliegen hat der Verein mit Sitz in Höpfigheim deshalb auch für die Zukunft: neue Mitglieder und Spender gewinnen und einen neuen Lagerraum finden. Derzeit wird das Futter in einer Garage eines Mitglieds in Ilsfeld gelagert – kein Dauerzustand. Am besten wäre ein Lagerraum in der Nähe einer S-Bahn-Station, so dass Kunden diesen auch problemlos erreichen können.